Sonntag, 13. November 2005

Kontemplation

Kontemplation ist Stillwerden vor Gott, sich hörend auf ihn
ausrichten, ohne sich über ihn oder über sich selbst Gedanken
zu machen und frei von Vorstellungen und Worten
in jedem Atemzug präsent zu sein.

Zur Sammlung auf den gegenwärtigen Augenblick nimmt man sich
einen Laut oder ein Wort (Gott, Jesus, Schalom, Amen, Liebe, Ja)
still in jedem Atemzug hinein, ohne sich über die Bedeutung
des Wortes Gedanken zu machen.

Der Mensch wird in diese Welt geboren, um sich zu entfalten
und seine Erfüllung im Einswerden mit Gott zu finden.
Tief in uns lebt eine unstillbare Sehnsucht nach dem Göttlichen,
dem unaussprechlichen Geheimnis, durch das alles ist
und das das Wirklichste von allem ist.

Auf dem Weg dahin müssen wir Abschied nehmen
von illusionären Erwartungen und Wünschen,
von ichhaften Bindungen und Verstrickungen;
eine oft schmerzliche Trennung,
die aber letztlich eine Befreiung ist,
die uns dem wahren Selbst näher bringt.

Deshalb ist es gut, diesen Weg gemeinsam zu gehen,
mit gegenseitiger Unterstützung und Begleitung durch solche,
die erfahrener sind.

Dabei können wir uns auf die Erfahrungen und Schriften
großer Mystiker vergangener Zeiten stützen (wie z.B.
Meister Eckehart, Johannes vom Kreuz, Teresa von Avila,
die Mönchsväter aus frühchristlicher Zeit u.a.).